KI unter der Lupe Teil 1: Was ist KI?

Künstliche Intelligenz: Wir hören häufig davon, wir schreiben häufig davon. Aber was ist das eigentlich?
Wenn man Berichte dazu liest, bleibt ein unklares Bild zurück. OpenAI ist KI, selbstfahrende Autos sind KI, Sprachassistenten sind intelligente persönliche Assistenten – also KI?, Gesichtserkennung ist KI und Datenbanken sind manchmal KI. Wir wollen wissen: Was ist KI? Dazu werden wir einige Tests für KIs untersuchen. Die “passed-Bedingungen” in diesen Tests definieren, was eine KI ist.

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8 Possible Alternatives To The Turing Test von George Dvorsky zeigt uns insgesamt neun Tests für Künstliche Intelligenz. (Alle Zitate sind vom Autor übersetzt und gekürzt)

1. Der Turing Test

Schon in den 1950ern hat Alan Turing eine ähnliche Frage gestellt:
"Kann es digitale Computer geben, welche das Imitationsspiel gut beherrschen?"
Diese Frage wird heute meist wie folgt interpretiert: "Kann es digitale Computer geben, welche in einer Konversation überzeugend einen Menschen imitieren können?"
Wenn ein solcher Computer existiert, so die Argumentation, dann kann man ihn als intelligent betrachten.

Daraus folgt:
Eine künstliche Intelligenz ist dazu in der Lage, in einer Konversation einen Menschen so gut zu imitieren, dass ein Mensch diese KI für einen Menschen hält.

2. Die Winograd Schema Challenge

Die Winograd Schema Challenge versucht Intelligenz zu messen, indem sie das Allgemeinwissen, den gesunden Menschenverstand testet.

Nach Dvorsky:

Hier einige Beispiele:
Aufgabe: Die Trophäe passt nicht in die braune Tasche, sie war zu groß (klein). Was war zu groß(klein)?
Antwort 1: die Trophäe
Antwort 2: die Tasche

Aufgabe: Die Stadträte weigerten sich den Demonstranten eine Erlaubnis zu erteilen, da sie Gewalt befürchteten(befürworteten)
Wer befürchtete (befürwortete) Gewalt
Antwort 1: Die Stadträte
Antwort 2: Die Demonstranten

Daraus folgt:

Eine künstliche Intelligenz kann den Inhalt von Texten verstehen und unter zusätzlicher Verwendung von schon erlerntem Allgemeinwissen Fragen dazu beantworten.

3. Marcus Test

Gary Marcus hat einen weiteren Test für KI entwickelt, so Dvorksy.

Entwickle ein Computer-Programm, dass eine Fernsehprogramm schauen und Fragen zu deren Inhalt beantworten kann
"Warum ist Russland in der Krim einmarschiert?" oder "Warum überlegte Walter White Jessie zu ermorden?" (…)

Daraus folgt:
Eine künstliche Intelligenz ist dazu in der Lage im Videoformat dargestellte Informationen zu begreifen und Fragen dazu zu beantworten.

4. Der Lovelace Test

Dazu schreibt Dvorsky:

Die künstliche Intelligenz besteht diesen Test, wenn sie ein kreatives Werk eines bestimmten Teils der Kunst erschafft, von dem erwartet wird, dass er menschliche Level von Intelligenz benötigt und wenn das Kunstwerk bestimmte kreative Rahmenbedingungen eines menschlichen Gutachters erfüllt.

Daraus folgt:
Eine künstliche Intelligenz ist dazu in der Lage, in einem vorher festgesetzten Rahmen kreativ zu sein.

5. Die Construction Challenge

Eine fundamentale Schwäche des Turing Tests sei, so Charlie Ortiz, dass er verbales Verhalten testet, während er zwei wichtige Elemente intelligenten Verhaltens vernachlässige: Visuelles Verabeiten und psychomotorische Fähigkeiten.
In der Construction Challenge gibt es einige Wettbewerbe für Roboter, die Dinge bauen können, wie zum Beispiel Ikea Möbel oder Lego. Dazu muss ein Roboter verbale Anweisungen oder Beschreibungen für Strukturen, die er bauen muss, verstehen und Objekte manipulieren, um die Struktur zu bauen.
Ein weiterer Wettbewerb ergänzt diese Aufgabe mit der Bedingung, mit Menschen zu interagieren. Und die letzte untersucht das Erlernen von Allgemeinwissen im Umgang mit Spielzeug wie Legosteinen mit einem menschlichen Lehrer.

Daraus folgt:
Eine künstliche Intelligenz kann ihre Umgebung erfassen und Anweisungen verstehen, um Objekte zielführend zu manipulieren. Dabei kann diese gegebenenfalls kooperativ mit Menschen interagieren und von Menschen lernen.

6. Der visuelle Turing Test

Der visuelle Turing Test ist ein weiterer Versuch, neben der Construction Challenge, die Notwendigkeit zur natürlichen Sprachverarbeitung des Turing-Tests zu umgehen. Dieser Test von Michael Barclay und Antony Galton fordert Maschinen dazu heraus, die visuellen Fähigkeiten von Menschen nachzuahmen.
Bild
Menschen und Programme haben eine einfache Frage bekommen. "Wo ist die Kaffee-Tasse?" (Auf dem Untersetzer, links von der Lampe, auf dem Tisch, vor dem Stuhl) Wie man sehen kann, ist jede der vorgegebenen Antworten korrekt – Aber manche, so Barclay und Galton, können als "richtiger" (also menschlicher) betrachtet werden.

Daraus folgt:
Eine künstliche Intelligenz kann unter mehreren richtigen Antworten auf eine Frage zu einem Bild die menschlichste wählen.

7. Der umgekehrte Turing Test

Hierbei geht es darum, dass eine Maschine einen Menschen erkennen muss. Wir können nur raten, wie eine solche Maschine aussieht, aber man kann behaupten, dass die Fähigkeit einen Menschen über Kommunikation zu erkennen, in sich eine Form von Intelligenz ist.

Daraus folgt:
Eine künstliche Intelligenz kann einen Menschen von Nichtmenschen unterscheiden.

8. Digitales Sezieren

Wir brauchen irgendeinen Beweis dafür, dass eine KI Maschinenäquivalente eines komplexen dynamischen Gehirns enthält. Also die Maschinenäquivalente der neuronalen Korrelate des Bewusstseins in Maschinen finden.

Daraus folgt:
Eine künstliche Intelligenz besitzt Maschinenäquivalente der neuronalen Korrelate des Bewusstseins.

9. Alles Genannte

Die Arbeit von Gary Marcus und anderen hat gezeigt, dass niemand einen Nachfolger zum Turing Test entwickeln will, sondern eine Sammlung von Tests. Man kann sie die "Turing Olympiade" nennen.

Daraus folgt:
Eine künstliche Intelligenz ist dazu in der Lage

  • in einer Konversation einen Menschen so gut zu imitieren, dass ein Mensch diese KI für einen Menschen hält
  • kann Menschen von Nichtmenschen unterscheiden
  • kann den Inhalt von Texten verstehen und unter zusätzlicher Verwendung von schon erlerntem Allgemeinwissen Fragen dazu beantworten
  • ist dazu in der Lage in einem vorher festgesetzten Rahmen kreativ zu sein
  • kann ihre Umgebung erfassen und Anweisungen verstehen um Objekte zielführend zu manipulieren
  • kann mit Menschen kooperieren und von Menschen lernen
  • kann unter mehreren richtigen Antworten auf eine Frage zu einem Bild die Menschlichste wählen
  • besitzt Maschinenäquivalente der Neuronalen Korrelate des Bewusstseins*

10. Diskussion und Ausblick

Es gibt Menschen, die nach dieser Definition nicht intelligent sind. Wir von Vuitest können nicht die menschlichste Antwort wählen. Und einige Menschen könnnen nicht kooperativ mit Menschen interagieren… oder wollen nicht.

Außerdem stellt sich die Frage, ob es zum gleichen Zeitpunkt eine künstliche oder natürliche Intelligenz geben kann, die perfekt darin ist Menschen von Maschinen zu unterscheiden und eine, die Menschen so gut imitieren kann, dass kein Mensch sie für eine KI hält. (beziehungsweise kein Mensch sie besser als der Zufall als KI enttarnen kann.) Wenn das nicht geht, dann ist diese Definition ein unmöglicher Standard.

Keine der Definitionen ist für uns zufriedenstellend. Wir werden im nächsten Artikel der Reihe "Grundlagen KI" weitersuchen.

Bildquellen

J Dahms
  • J Dahms
  • J Dahms ist seit 2021 als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Speech & Phone GmbH. Teil dieser Tätigkeit ist das Testen von Sprachassistenten und Erstellen von Beiträgen auf diesem Blog.

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