Sprechen wir – mit Kaffeemaschinen

Fernbeziehung mit Smartphones und Kaffeetasse
© geralt – pixabay.com

Wenn ich durch die Gänge des Büros schreite, fallen mir Dinge ein, die unbedingt Spracherkennung oder ein Sprachdialogsystem brauchen würden. Heute sind mir Kafeemaschinen eingefallen. Die Userstories scheinen trivial. „Benutzer bedienen die Kaffeemaschine durch Sprachsteuerung und teilen mit, welchen Kaffee sie haben möchten.“ Bei genauerem Überlegen fallen aber noch mehr Anwendungsfälle ein. Das sind zum Beispiel diese

  • Koche Cappuccino mit wenig Milchschaum und starkem Kaffee.
  • Mach mir einen Milchkaffee, bitte.
  • Bring mal einen Latte Macchiato mit wenig Milch.
  • Brühe mir einen normalen Kaffee.
  • Würdest du mir später einen doppelten Espresso machen, bitte?
  • Nachher hätte ich gern einen Ristretto.
  • Kannst du mir jetzt bitte einen Kaffee und einen Espresso machen?
  • Für mich bitte einen Cappuccino und für Emma bitte einen Milchkaffee Stärke fünf.

Fails – was zum Kaffeekochen nicht dazu gehört

Folgende Sätze würde ich wegen nachgewiesene technokratischer Soziolekte nur unter Androhung äußerster Strafen in die Grammatik einsetzen:

  • Zubereite mir einen Kaffee mit Mahlwerkskörnung sieben.
  • Füge den Milchschaum mit zwei Einheiten mehr dem Kaffee hinzu.
  • Starte die Kaffeezubereitungsroutine für Espresso Lungo.

Übrigens, wie bei vielen Geräten ist die autonome Handhabung schlecht möglich. Denn zur vollständigen Automatisierung würde ja noch der Roboter fehlen, der das passende Gefäß unter die Kaffeemaschine stellt.

Ein – völlig subjektives und belangloses – Ranking für die Sprachbedienung von Kaffeemaschinen

Coole und tolle Anleitungen wie Kaffeemaschinen per Sprache bedient werden können.

Funfact über das Internet und Kaffeemaschinen

Die erste Anwendung einer Webcam führte zu einer Kaffeemaschine. https://de.wikipedia.org/wiki/Trojan-Room-Kaffeemaschine

Hoch und tief

Thermometer
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„0 Grad“, murmelte D das Außenthermometer ablesend. ‚Ganz schön viel‘, dachte sie und war verwundert über die niedrige Temperatur.

Überliefert
Fischkutter
Fischerboot am Strand

Voice User Interface – die Kunst des Hörens und Sprechens

In ihrem Beitrag „Verwenden auch Sie beim Marketing diese sinnfreien Adjektive?!“ weist Dr. Gabriele Frings auf die explodierende Anzahl von Adjektiven in Texten hin. Der Artikel ist hier nachzulesen. https://schreibenundleben.com/verwenden-auch-sie-beim-marketing-diese-sinnfreien-adjektive/. Als gute journalistische Schule galt es mal, keine Attribute zu verwenden. Ich finde es schade, dass diese Sitte abhanden gekommen ist.

Die Stimme in der Bronzefee © MikeGoad – pixabay.com

Sprachdialogsysteme benötigen Formulierungen für Fragen, Informationen und Hilfetexte, mit denen Benutzerinnen mit geringem mentalen Aufwand das Wesentliche erfassen können. Deshalb ist die Satzlänge ein wesentliches Merkmal für die Qualität eines Sprachdialogsystems. Zu wenig Äußerung lässt Benutzerinnen im Unklaren, zuviel Sprache überfordert sie. Auch wenn es platt klingt: Eine Rede ist keine Schreibe. (Kurt Tucholsky)

Beim Test der Äußerungen eines Sprachdialogsystems nähere ich mich von zwei Seiten, während ich möglichst unbefangen mit dem System spreche. Zum einen hake ich gedanklich eine Positivliste ab. Je mehr Punkte davon zutreffen, umso besser. Gleichzeitig habe ich eine Negativliste im Sinn. Je weniger Punkte davon zutreffen, umso besser ist es. Folgende Fragen stelle ich mir dabei, um einen ersten qualitativen Eindruck zu bekommen.

Fragen für Positivtests

  • Ist die Äußerung für Zielpublikum angemessen?
  • Bleibt das System in einem Sprachtyp?
  • Sind die Sätze prägnant?
  • Steht die Information am Anfang der Äußerung?

Fragen für Negativtests

  • Sind die Sätze zu knapp?
  • Sind dieÄußerungen zu lang?
  • Ändert sich der Sprachtyp während des Dialogs?
  • Werden zuviel Informationen in einen Satz gepresst?